Hallo zusammen,
ich beschäftige mich gerade mit einer Entscheidung, die ich vor etwa drei Jahren getroffen habe und die mich immer noch ein bisschen umtreibt – besonders jetzt in der ruhigeren Sommerzeit, wo man mehr Zeit hat nachzudenken.
Damals wurde mir eine Teamleiter-Position angeboten, mit entsprechend mehr Gehalt, aber auch deutlich mehr Verantwortung, mehr Meetings, mehr Personalführung. Ich habe nach langem Abwägen abgelehnt, weil ich gemerkt hatte, dass ich eigentlich lieber tief in den fachlichen Themen arbeite als Mitarbeitergespräche zu führen und Budgets zu verwalten. Außerdem war ich beruflich noch in einer Phase, wo ich viel reisen wollte – privat wohlgemerkt – und ich hatte das Gefühl, die Führungsrolle hätte das komplett gefressen.
Jetzt frage ich mich manchmal, ob das langfristig ein Karrierefehler war. Kollegen, die damals ähnliche Angebote bekommen haben und angenommen haben, sind heute zwei Hierarchiestufen weiter. Das Gehalt ist entsprechend anders.
Gleichzeitig bin ich ehrlich gesagt relativ zufrieden mit meiner Situation – aber natürlich fragt man sich, was wäre wenn.
Hatte jemand von euch eine ähnliche Situation? Habt ihr Führungsverantwortung abgelehnt und wie habt ihr das im Nachhinein bewertet? Lohnt es sich eventuell, das Thema jetzt nochmal anzugehen, obwohl ich schon ein bisschen älter bin?
Bin gespannt auf eure Einschätzungen.
Roland
Roland, das ist eine Frage, die ich aus eigener Erfahrung gut kenne. Nach 40 Jahren als Ingenieur kann ich sagen: Ob das ein Fehler war, hängt wirklich davon ab, was dir im Leben wichtig ist – und das klingt bei dir ziemlich klar.
Ich habe selbst eine ähnliche Entscheidung getroffen, allerdings umgekehrt: Ich habe eine Führungsrolle angenommen und bereue das in der Rückschau teilweise, weil ich viele Jahre lang hauptsächlich Budgets und Köpfe verwaltet habe statt wirklich technisch zu arbeiten. Das hat mich manchmal aufgerieben.
Der Punkt ist: Wer in der Fachkarriere konsequent bleibt und wirklich gut wird, kann am Ende oft ähnlich gut verdienen wie mancher mittlerer Manager – zumindest in technischen Berufen. Ob der Weg mit 50+ nochmal in die Führung sinnvoll ist, kommt sehr auf das Unternehmen und die Branche an. Ich würde ehrlich gesagt skeptisch sein, ob sich das noch lohnt, wenn du sagst, du bist eigentlich zufrieden. Zufriedenheit im Job ist mehr wert als man in jungen Jahren denkt.
Also ich finds eigentlich total spannend, dass du das jetzt im Sommer nochmal aufrollst – genau solche Momente nutze ich auch zum Nachdenken über meinen eigenen Weg.
Hatte selbst noch keine Führungsrolle abgelehnt aber kenne das Grübeln aus anderen Entscheidungen gut. Was ich inzwischen gelernt habe, auch durch viele Diskussionen zu KI und neuen Arbeitsmodellen: Die klassische Karriereleiter verliert sowieso gerade an Bedeutung. Fachexperten werden in vielen Branchen zunehmend gefragter und auch besser bezahlt als früher, weil Unternehmen merken dass gute Fachleute schwer zu ersetzen sind – Führungskräfte manchmal weniger.
Wenn du wirklich nochmal überlegen willst ob du eine Führungsrolle angehen magst, wär mein Tipp: schau dir an, ob dein Arbeitgeber sowas wie eine "Fachkarriere" parallel zur Führungslaufbahn anbietet. Viele größere Unternehmen haben sowas, wird aber oft schlecht kommuniziert. Da kannst du manchmal Seniorexpertenlevel erreichen mit ähnlichem Gehalt, ohne Personalverantwortung.
Kurz gesagt: Wenn du sagst du bist zufrieden, ist das doch schon die Antwort. Die meisten Führungskräfte die ich im Projektalltag erlebe sind alles andere als zufrieden. Ich würd den Vergleich mit den Kollegen nicht zu ernst nehmen.