Girokonto: Worauf es beim Vergleich wirklich ankommt
Kennen Sie das? Sie werfen einen beiläufigen Blick auf Ihren Kontoauszug und stellen fest, dass Ihre Bank Ihnen auch in diesem Monat wieder eine Gebühr abgezogen hat. Vier Euro neunzig, wie jeden Monat, seit Jahren. Sie können sich nicht erinnern, dieses Kontomodell jemals bewusst gewählt zu haben. Irgendwann hat die Bank die Konditionen geändert, irgendwann kam ein Brief, den Sie nicht gelesen haben. Und seitdem zahlen Sie – ohne je geprüft zu haben, ob das sein muss. Falls Ihnen diese Situation bekannt vorkommt, sind Sie nicht allein. Und die gute Nachricht lautet: Ein genauer Blick auf den Markt lohnt sich fast immer.
Was ein Girokonto leistet und warum Sie eines brauchen
Ein Girokonto ist das finanzielle Fundament des Alltags. Über dieses Konto läuft so gut wie alles, was mit Geld zu tun hat: Das Gehalt geht ein, die Miete wird per Dauerauftrag überwiesen, Strom und Versicherung werden per Lastschrift eingezogen, und an der Supermarktkasse zahlen Sie mit der dazugehörigen Karte. Ohne ein Girokonto lässt sich das tägliche Leben in Deutschland kaum noch organisieren, weil Arbeitgeber, Vermieter und Behörden bargeldlose Zahlungswege voraussetzen.
Genau deshalb hat der Gesetzgeber im Jahr 2016 das sogenannte Basiskonto eingeführt. Jede Bank, die in Deutschland Girokonten anbietet, ist seitdem verpflichtet, jedem Verbraucher auf Antrag ein Konto mit grundlegenden Funktionen zu eröffnen – unabhängig von Einkommen, Bonität oder Aufenthaltsstatus. Dieses Recht zeigt, wie zentral das Girokonto für die gesellschaftliche Teilhabe geworden ist.
Kontomodelle und Gebühren: Was kostenlos wirklich bedeutet
Wer heute ein Girokonto sucht, hat grundsätzlich drei Anlaufstellen. Klassische Filialbanken wie Sparkassen oder Volksbanken bieten persönliche Beratung vor Ort, verlangen dafür aber häufig Kontoführungsgebühren zwischen fünf und zwölf Euro im Monat. Direktbanken verzichten auf Filialen und wickeln alles online oder telefonisch ab, was ihre Kostenstruktur deutlich schlanker macht. Viele von ihnen bieten Konten ohne monatliche Grundgebühr an. Neobanken wiederum setzen vollständig auf das Smartphone und richten sich an Menschen, die ihre Finanzen am liebsten über eine App steuern.
Allerdings ist Vorsicht geboten, wenn ein Konto als kostenlos beworben wird. Häufig entfällt die Kontoführungsgebühr nur unter bestimmten Bedingungen, etwa einem monatlichen Mindestgeldeingang von 700 oder 1.000 Euro. Wird dieser nicht erreicht, fallen plötzlich doch Gebühren an. Auch vermeintlich kleine Posten summieren sich: Wer regelmäßig an fremden Automaten Geld abhebt, zahlt dafür schnell zwei bis drei Euro pro Vorgang. Und wer eine Überweisung lieber am Bankschalter statt online aufgibt, muss bei manchen Instituten mit Gebühren von bis zu zwei Euro pro Auftrag rechnen. Es lohnt sich also, nicht nur die Grundgebühr zu betrachten, sondern das gesamte Nutzungsprofil ehrlich zu bewerten.
Der Dispositionskredit: Bequem, aber oft teuer
Fast jedes Girokonto bietet die Möglichkeit, das Konto bis zu einem festgelegten Betrag zu überziehen. Dieser Dispositionskredit, kurz Dispo, ist praktisch, wenn am Monatsende das Geld knapp wird. Anders als ein klassischer Ratenkredit, der in festen Monatsbeträgen zurückgezahlt wird, ist der Dispo flexibel: Sie können den negativen Saldo jederzeit ausgleichen, zahlen aber für jeden Tag, an dem das Konto im Minus steht, Zinsen.
Genau hier liegt das Problem. Die Dispozinsen liegen je nach Anbieter zwischen etwa acht und vierzehn Prozent pro Jahr. Ein großzügiger Disporahmen klingt zunächst komfortabel, kann aber teuer werden, wenn man ihn regelmäßig nutzt. Wer häufiger ins Minus rutscht, sollte diesen Posten beim Kontovergleich deshalb nicht ignorieren, sondern gezielt nach Anbietern mit niedrigeren Zinssätzen suchen.
Kontowechsel: Einfacher als gedacht
Viele Verbraucher bleiben bei ihrer Bank, weil ihnen ein Wechsel zu aufwändig erscheint. Die Vorstellung, sämtliche Daueraufträge und Lastschriften manuell umstellen zu müssen, wirkt abschreckend. Seit September 2016 gibt es jedoch den gesetzlichen Kontowechselservice. Ihre neue Bank ist verpflichtet, die alte Bank zu kontaktieren und alle regelmäßigen Zahlungspartner über die neuen Kontodaten zu informieren. Daueraufträge werden übertragen, Lastschriftgläubiger benachrichtigt.
In der Praxis brauchen Sie dafür ein gültiges Ausweisdokument und die Daten Ihres bisherigen Kontos. Die neue Bank übernimmt den Großteil der Arbeit. Der gesamte Prozess dauert in der Regel zwei bis vier Wochen. Es empfiehlt sich, das alte Konto noch einige Wochen parallel laufen zu lassen, um sicherzustellen, dass wirklich alle Zahlungen umgestellt sind. Ein kleiner Aufwand, der sich finanziell aber schnell auszahlen kann.
Das passende Konto finden: Worauf Sie achten sollten
Bei der Entscheidung für ein neues Girokonto gibt es kein objektiv bestes Angebot, sondern nur das Konto, das am besten zu Ihrem Alltag passt. Fragen Sie sich zunächst, wie hoch die monatliche Grundgebühr im Verhältnis zu den Leistungen ist, die Sie tatsächlich nutzen. Prüfen Sie dann, wie gut das Automatennetz des Anbieters zu Ihren täglichen Wegen passt, denn ein kostenloses Konto nützt wenig, wenn Sie für jede Bargeldabhebung quer durch die Stadt fahren müssen. Werfen Sie außerdem einen ehrlichen Blick auf den Kundenservice, denn spätestens bei einer gesperrten Karte im Ausland zeigt sich, ob Ihre Bank erreichbar ist. Die Qualität der Banking-App spielt für viele Menschen ebenfalls eine zentrale Rolle, etwa wenn es um Echtzeitbenachrichtigungen bei Zahlungen oder eine übersichtliche Ausgabenanalyse geht. Und wer regelmäßig ins Ausland reist, sollte auf die Gebühren für Kartenzahlungen und Abhebungen in Fremdwährung achten, denn hier unterscheiden sich die Anbieter erheblich.
Nehmen Sie sich eine halbe Stunde Zeit, vergleichen Sie ehrlich, und Sie werden feststellen, dass der Unterschied zwischen einem mittelmäßigen und einem wirklich passenden Girokonto größer ist, als man denkt. Weitere Informationen zu Girokonten finden Sie auf Wikipedia.
Häufig gestellte Fragen
Was ist ein Girokonto?
Ein Girokonto ist ein Bankkonto, das für den täglichen Zahlungsverkehr genutzt wird. Es ermöglicht Gehaltseingänge, Überweisungen und bargeldlose Zahlungen.
Welche Gebühren können bei einem Girokonto anfallen?
Gebühren können für Kontoführung, Überweisungen am Schalter, Bargeldabhebungen an fremden Automaten und Dispozinsen anfallen.
Was ist ein Basiskonto?
Ein Basiskonto ist ein gesetzlich garantiertes Girokonto mit grundlegenden Funktionen, das jeder Verbraucher unabhängig von Einkommen oder Bonität eröffnen kann.
Wie funktioniert der Kontowechselservice?
Der Kontowechselservice ermöglicht es Ihrer neuen Bank, alle regelmäßigen Zahlungspartner über die neuen Kontodaten zu informieren und Daueraufträge zu übertragen.
Warum sollte man die Dispozinsen beachten?
Dispozinsen sind oft hoch und können bei regelmäßiger Nutzung zu erheblichen Kosten führen. Ein Vergleich der Zinssätze verschiedener Anbieter ist daher ratsam.