Ich beschäftige mich gerade intensiver mit meiner Altersvorsorge und komme je nach Quelle zu völlig unterschiedlichen Ergebnissen. Grundsätzlich bin ich skeptisch gegenüber pauschalen Ratschlägen – das kennt ihr von mir ja schon bei anderen Themen.
Meine aktuelle Situation: Ich zahle in die gesetzliche Rentenversicherung ein und habe zusätzlich seit ein paar Jahren einen ETF-Sparplan laufen. Wenn ich die Zahlen selbst durchrechne, sieht das gar nicht so schlecht aus – aber überall liest man, dass das trotzdem nicht reicht und man unbedingt noch eine private Rentenversicherung oder ähnliches braucht.
Ich frage mich: Woher kommt diese Aussage eigentlich konkret? Wenn ich meine ETF-Rendite mit einem realistischen Entnahmeplan kombiniere, komme ich auf Werte die durchaus plausibel klingen. Gleichzeitig sagen Versicherungsvertreter natürlich immer, dass das nicht genug ist – klar, die wollen ja verkaufen.
Hat jemand von euch die verschiedenen Szenarien mal wirklich durchgerechnet? Also gesetzliche Rente + ETF vs. gesetzliche Rente + ETF + zusätzliche private Rentenversicherung? Mich interessieren vor allem die konkreten Unterschiede im Endergebnis, nicht das Standard-Bla-Bla aus irgendwelchen Finanzratgeber-Artikeln. Und wie geht ihr mit der Planungsunsicherheit um – also wenn die ETF-Rendite schlechter läuft als erwartet?
Die Frage ist berechtigt, aber ich würde noch eine Ebene tiefer gehen: Was genau meinst du mit 'reicht'? Das ist der Knackpunkt, den die meisten Pauschalaussagen bewusst offenlassen.
Denn 'reichen' hängt von deinem geplanten Ausgabenniveau im Alter ab, von deiner Lebenserwartung (die du nicht kennst), von der Inflation der nächsten 30+ Jahre und davon, ob du irgendwann pflegebedürftig wirst oder nicht. Wenn du das alles nicht definierst, kann jede Rechnung zu jedem Ergebnis kommen.
Zum ETF-Entnahmeplan: Die klassische 4%-Regel kommt aus dem US-Markt und einem bestimmten historischen Zeitraum. Ob die auf einen deutschen Investor mit gesetzlicher Rente als Teilbasis 1:1 passt, ist schon diskussionswürdig. Ich hab damals bei einem anderen Thread schon ähnliches angemerkt: Renditeerwartungen aus der Vergangenheit sind keine Garantie.
Die eigentliche Frage wäre für mich: Hast du ein Szenario durchgerechnet, in dem die ETF-Rendite in den ersten fünf Jahren deiner Entnahme stark negativ läuft? Das ist das sogenannte Sequence-of-Returns-Risiko und genau da hört bei den meisten Eigenrechnungen die Ehrlichkeit auf.
Ich bin da ehrlich gesagt nicht so tief drin wie ihr zwei, aber ich hab mich im Frühjahr kurz damit beschäftigt – hab auch beim ETF-Thread hier was dazu geschrieben. Mein Fazit war damals: Einfach anfangen und nicht auf den perfekten Plan warten. Ob das für deine Frage hilft weiß ich nicht, aber den Punkt mit dem Sequence-of-Returns-Risiko den Ralf anspricht fand ich einleuchtend – das hatte ich so noch gar nicht auf dem Schirm.