Hallo zusammen,
ich bin seit knapp zwei Jahren Hausbesitzer und habe mich natürlich mit dem üblichen Versicherungspaket eingedeckt – Wohngebäude, Haftpflicht, das Standardprogramm halt. Jetzt wo der Sommer läuft und man mehr Zeit hat, bin ich mal dazu gekommen, die Policen wirklich durchzulesen. Und ich muss sagen: Da steckt einiges drin, was mir der Vermittler damals nicht explizit erklärt hat.
Zum Beispiel bei der Wohngebäudeversicherung: Es gibt da Klauseln zur "grob fahrlässigen Herbeiführung des Versicherungsfalles", die je nach Anbieter komplett unterschiedlich ausgelegt werden. Manche Versicherer kürzen da ohne Vorwarnung die Leistung, das stand natürlich nicht im Beratungsgespräch.
Außerdem frage ich mich, ob die sogenannten "Assistance-Leistungen" die manche Anbieter als Zusatz verkaufen (Rohrreinigung, Schlüsseldienst etc.) wirklich Mehrwert bringen oder ob das nur Aufpreis für Dinge ist, die man sowieso nie in Anspruch nimmt. Klingt für mich stark nach Upselling.
Mich interessiert: Habt ihr bei euren Policen schon mal Klauseln entdeckt, die im Schadensfall zum Problem geworden sind? Und wie geht ihr generell vor, wenn ihr Versicherungsverträge als Hausbesitzer prüft – macht ihr das selbst oder zieht ihr einen unabhängigen Berater hinzu? Gerade bei Beratern bin ich ja immer skeptisch, weil die am Ende auch irgendwie verdienen müssen.
Freue mich über konkrete Erfahrungen, nicht über allgemeine Empfehlungen.
Kurz gesagt: Unabhängige Honorarberater für Versicherungen (VDH-zertifiziert z.B.) nehmen eine feste Gebühr, haben kein Provisionsinteresse. Das ist bei komplexen Policen meistens die sauberste Lösung.
Wolfgang, deine Skepsis gegenüber Beratern ist berechtigt, aber ich würd das nicht pauschal sehen. Ich hab in meinen 40 Berufsjahren beide Seiten erlebt – Makler die wirklich gut beraten haben und solche die hauptsächlich an ihrer Provision interessiert waren. Der Unterschied liegt oft darin, ob jemand als Mehrfachagent oder als echter Makler mit Zugang zum freien Markt arbeitet. Beim Thema grobe Fahrlässigkeit: Da hat sich in den letzten Jahren tatsächlich viel getan, viele Anbieter haben den Verzicht inzwischen standardmäßig drin. Aber wie René schon sagt – die genaue Schadenshöhengrenze ist entscheidend. Ich hab das bei einem Bekannten erlebt, der nach einem Leitungswasserschaden gemerkt hat, dass seine Police bei grober Fahrlässigkeit nur bis 10.000 Euro leistet. Schaden war höher. Das war eine teure Überraschung. Mein Rat: Die AVB (Allgemeinen Versicherungsbedingungen) wirklich lesen, besonders §§ zu Obliegenheiten und Leistungskürzung. Klingt trocken, ist aber genau das was dich im Schadensfall schützt oder eben nicht. Den Assistance-Kram würd ich auch weglassen, da stimm ich zu.
Das kenne ich – ich bin gerade selbst dabei, meine Finanzen und Absicherungen neu zu sortieren, und da stolpert man ständig über Formulierungen in Verträgen, die man beim schnellen Durchlesen einfach übersieht. Bei der grob fahrlässigen Herbeiführung hast du absolut recht, das ist ein echter Stolperstein. Viele Versicherer haben da zwar inzwischen den Passus "Verzicht auf Einrede bei grober Fahrlässigkeit" eingebaut, aber ob der dann wirklich in vollem Umfang gilt oder nur bis zu einer bestimmten Schadenshöhe – das steht wieder im Kleingedruckten. Ich habe bei sowas angefangen, die Bedingungswerke direkt vom Versicherer als PDF anzufordern, nicht nur die Kurzübersicht vom Makler. Die Zusammenfassungen lassen genau die kritischen Stellen gerne weg. Zu den Assistance-Leistungen: Ich würde die tatsächlich weglassen. Hab noch niemanden getroffen, der damit wirklich zufrieden war – die Handwerker die dann kommen sind oft nicht die besten und man ist trotzdem an den Anbieter gebunden.