Hallo zusammen,
ich bin gerade dabei meine Altersvorsorge etwas systematischer anzugehen und stoße dabei auf ein Thema, das mich schon länger beschäftigt. Ich habe zwei Kinder (7 und 10 Jahre alt) und war jeweils ca. 2 Jahre in Elternzeit, danach bin ich in Teilzeit (24h/Woche) weitergegangen. Mein Mann arbeitet Vollzeit.
Jetzt frage ich mich konkret: Wie genau berechnet die Deutsche Rentenversicherung eigentlich die Kindererziehungszeiten? Ich habe gelesen, dass pro Kind 3 Jahre angerechnet werden – aber was heißt das in Euro umgerechnet ungefähr? Und wie stark drückt die jahrelange Teilzeit auf die spätere Rente? Ich will endlich wissen, ob ich überhaupt abschätzen kann, wie groß die Lücke wird.
Ich habe bisher keine private Vorsorge außer einer kleinen betrieblichen Altersvorsorge über meinen Arbeitgeber. ETF-Sparplan oder Riester stand schon öfter im Raum, aber ich bin noch nie wirklich in die Tiefe gegangen.
Vielleicht hat hier jemand ähnliche Erfahrungen gemacht oder weiß, wie man das vernünftig berechnen kann? Die Deutsche Rentenversicherung bietet ja online-Kontoauszüge an – reicht das als Grundlage oder braucht man da wirklich eine Beratung?
Danke schon mal!
Ich schreib das jetzt mal aus einer etwas anderen Perspektive. Ich hab neulich im Homeoffice-Kühlungs-Thread mitgemacht – passt thematisch gar nicht, aber das Thema Finanzen beschäftigt mich gerade allgemein auch mehr.
Meine Frau ist in einer ähnlichen Situation wie du. Was wir konkret gemacht haben: Erstmal den Rentenauszug geholt und mit einem unabhängigen Finanzberater (Honorarbasis, kein Provisionsinteresse) durchgegangen. Das hat ca. 150€ gekostet, war aber wirklich hilfreich weil der uns eine klare Zahl genannt hat – Rentenlücke X Euro, dafür braucht es Y Sparrate.
Was mich bei Riester stört: Die Kosten mancher Verträge fressen die Förderung teilweise wieder auf. Da wirklich auf günstige Anbieter achten wenn man den Weg geht. Die bAV über den Arbeitgeber is aber auf jeden Fall den ersten Blick wert – seit 2019 muss der Arbeitgeber bei Neuverträgen 15% Zuschuss zahlen, das ist geschenktes Geld.
Und ja, Sommer ist vielleicht ne gute Zeit um sowas anzugehen – man hat vor dem Urlaub noch etwas Ruhe und nach dem Urlaub dann hoffentlich klaren Kopf für konkrete Schritte 😄
Hallo C.Hartmann,
das Thema kenne ich gut, ich bin selbst lange in ähnlicher Situation gewesen. Die Kindererziehungszeiten werden tatsächlich mit je 3 Jahren pro Kind angerechnet, und in dieser Zeit wird so getan, als hättest du ein durchschnittliches Gehalt verdient – das sind aktuell ca. 0,0833 Entgeltpunkte pro Monat. Grob umgerechnet bringt ein Erziehungsjahr ungefähr 30-35 Euro monatliche Rente (je nach aktuellem Rentenwert, der sich ja regelmäßig ändert).
Aber: Das reicht in den meisten Fällen nicht aus, um die Lücke durch jahrelange Teilzeit wirklich zu schließen. Gerade wenn man wie du 24h/Woche arbeitet, akkumuliert sich das über 10-15 Jahre zu einem erheblichen Minus gegenüber einem Vollzeitgehalt.
Den Rentenkontoauszug online würde ich auf jeden Fall als ersten Schritt nutzen – da siehst du wenigstens, was bisher drauf ist. Aber für eine echte Einschätzung und Planung empfehle ich dir tatsächlich eine kostenlose Beratung bei der Deutschen Rentenversicherung direkt. Die bieten das an und das ist wirklich fundierter als alles, was man sich selbst zusammenrechen kann. Ich hab das vor ein paar Jahren gemacht und war froh darum.
Ich sehe das ein bisschen anders als Brigitte67, der Online-Kontoauszug ist gut und wichtig, aber er zeigt nur die Vergangenheit. Was fehlt ist eine Hochrechnung.
Dazu gibt es auf der Website der Deutschen Rentenversicherung den sogenannten Rentenbescheid-Simulator, aber ehrlich gesagt ist das Tool nicht besonders intuitiv. Wer sich damit nicht auskennt, kommt da schnell nicht weiter.
Als ich neulich im Thread über kostenlose Steuerberaterfragen geschrieben habe, ist mir aufgefallen dass viele Leute gar nicht wissen, dass ein Steuerberater bei der Gesamtplanung helfen kann – aber das ist nicht unbedingt die erste Anlaufstelle für Rentenfragen.
Mein konkreter Tipp: Schau dir die Renteninformation an, die du jedes Jahr per Post bekommst (oder online abrufbar). Dort steht eine Hochrechnung drin. Damit hast du eine erste Grundlage. Dann gezielt schauen was fehlt und das mit einem ETF-Sparplan oder ähnlichem angehen – aber bitte mit konkreten Zahlen, nicht blind irgendwas abschließen.
Ich kenn mich mit Rente selbst nicht so tief aus (bin Jahrgang 91, das ist für mich noch weit weg 😅), aber zum Thema ETF vs. Riester kann ich was sagen.
Riester lohnt sich für Frauen in Teilzeit eigentlich überraschend gut, weil die staatlichen Zulagen fix sind egal was du einzahlst – also 175€ Grundzulage plus Kinderzulage pro Kind (300€ bei Kindern ab 2008). Bei kleinem Einkommen ist das Verhältnis Einzahlung zu Förderung recht gut.
ETF-Sparplan ist flexibler und hat langfristig oft bessere Rendite, aber da gibt's keine Förderung. Ich hab zuletzt viel zu ESG-Produkten recherchiert, aber für deine Situation würde ich erstmal schauen was dir bei der Förderung zusteht bevor du dich für eins entscheidest. Gibt dazu auch gute Rechner online.