Hallo zusammen,
ich überlege schon eine Weile, ob ich den Sprung in die Selbstständigkeit als Freelancer wagen soll. Bin aktuell seit Jahren fest angestellt, Vollzeit, und komme auf ein solides Gehalt. Auf dem Papier klingt Freelancing immer verlockend – man hört ja ständig von Stundensätzen, die das Dreifache vom Festgehalt sein sollen.
Aber wenn ich anfange das wirklich durchzurechnen, wird mir ehrlich gesagt etwas mulmig. Was ist mit Krankenversicherung? Als Angestellter zahlt der AG ja die Hälfte, als Freelancer muss man das komplett selbst stemmen. Dann Rentenversicherung – tue ich da nichts, stehe ich später mit fast nichts da. Urlaub, Krankentage, Feiertage – alles unbezahlt. Auftragsflauten miteinkalkulieren. Steuervorauszahlungen, Buchführung, ggf. Steuerberater...
Ich frage mich: Wie hoch muss der Stundensatz realistischerweise sein, damit unterm Strich tatsächlich MEHR rauskommt als in der Festanstellung? Gibt es irgendeine Faustformel dafür?
Und habt ihr Erfahrungen gemacht, was Leute oft unterschätzen beim Wechsel? Gerade jetzt im Sommer denke ich viel drüber nach, weil die Auftragslage in meiner Branche gerade eigentlich gut aussieht – aber ob das im Winter noch so ist, wer weiß.
Freue mich über ehrliche Einschätzungen, nicht nur das übliche 'mach es einfach'-Gerede.
Die Frage kenne ich gut, hab mich das selbst schon gefragt bei verschiedenen Dingen wo man meint 'das klingt günstiger' aber dann die versteckten Kosten draufkommen – ähnliches Muster wie beim Gastarif-Thema das ich neulich hier hatte (da gings um Gas-Grundversorgung vs. Sondertarif: auf den ersten Blick spart man, aber unterm Strich nicht immer).
Zur Faustformel: Viele nehmen das Bruttogehalt, rechnen auf einen Stundensatz hoch und multiplizieren dann mit Faktor 2 bis 2,5. Klingt viel, ist aber nötig. Du hast ja nicht 220 fakturierbare Tage im Jahr – realistisch eher 160 bis 180 wenn du Akquise, Buchhaltung, Krankheit und Flauten abziehst.
Die KV ist tatsächlich der größte Brocken den Leute unterschätzen. Als freiwillig gesetzlich Versicherter zahlst du 2026 schnell 900 Euro und mehr im Monat, je nach Einkommen. Dazu Steuervorauszahlungen die das Finanzamt gerne mal zu hoch ansetzt.
Mein Rat: Erstmal 6 Monate Rücklagen haben bevor man kündigt. Und einen Steuerberater von Anfang an – der kostet Geld, spart aber meistens mehr.