Hallo zusammen,
ich bin seit Anfang des Jahres selbstständig (Webdesign/Freelance) und stehe gerade vor dem Problem, das wohl jeder Selbstständige kennt: die Krankenversicherung kostet mich plötzlich eine Stange Geld. Als Angestellter hab ich das nie groß wahrgenommen, weil der Arbeitgeber die Hälfte übernommen hat. Jetzt zahle ich alles selbst und komme auf knapp 900€ im Monat bei meiner bisherigen gesetzlichen KK, weil die den Mindestbeitrag für Selbstständige ansetzen – obwohl ich im Moment noch gar nicht so viel verdiene.
Ich hab mich schon ein bisschen eingelesen und weiß, dass es die Option gibt, in der GKV zu bleiben, oder zur PKV zu wechseln. Aber ich blick da ehrlich gesagt nicht ganz durch. PKV klingt auf den ersten Blick günstiger, aber ich hab gehört, dass das im Alter richtig teuer werden kann. Gibt es realistische Zwischenlösungen? Manche reden von Basistarif PKV, andere von speziellen Angeboten für Gründer...
Ich will nicht unbedingt auf gute Absicherung verzichten, aber 900€ monatlich ist gerade wirklich eine Belastung, zumal ich die Sommermonate nutzen wollte um das Geschäft weiter aufzubauen und nicht ständig an den laufenden Kosten zu knabbern. Hat jemand hier ähnliche Erfahrungen gemacht und kann mir sagen, worauf ich wirklich achten muss?
Kurz und knapp weil ich das gerade selbst recherchiert hab (bin auch in ähnlicher Situation was Kosten und Optimierung angeht, nur anders gelagert): Schau dir die Künstlersozialkasse an – falls du als Webdesigner/Freelancer kreativer Dienstleister bist, könntest du KSK-berechtigt sein. Die übernehmen dann 50% deines GKV-Beitrags wie ein Arbeitgeber. Das wäre die günstigste Lösung ohne auf GKV-Schutz zu verzichten. Der Antrag ist etwas aufwendig aber lohnt sich zu prüfen.
Also ich bin Rentner und kenn das mit der Selbstständigkeit nicht mehr aus eigener Sicht, aber mein Sohn ist seit Jahren Freiberufler und hat das durchgemacht. Er hat damals den Fehler gemacht und ist zu schnell in die PKV gewechselt, weil die Prämien mit Anfang 30 sehr verlockend waren. Jetzt mit Mitte 50 zahlt er deutlich mehr und bereut es ein wenig.
Was ich ihm damals geraten hätte wenn ich mehr Ahnung gehabt hätte: Lieber die GKV-Mehrkosten in den ersten Jahren als Investition in Sicherheit betrachten. Die GKV hat Vorteile die man nicht mit Geld aufwiegt – Familienversicherung für Kinder zum Beispiel, oder wenn man mal eine Durststrecke hat. Ich weiß das klingt altmodisch, aber manches hat seinen Grund.
Das Thema kenn ich ein bisschen aus eigener Erfahrung, hab mich früher schon mal mit Versicherungskram rumschlagen müssen wenn man viel unterwegs ist und den Job wechselt. Zu der GKV-Mindestbemessungsgrundlage: Die liegt aktuell glaube ich bei rund 1.178€ monatlichem Einkommen als Berechnungsbasis, egal ob du wirklich so viel verdienst oder nicht. Das ist tatsächlich das große Problem für Gründer in der Anfangsphase.
Was ich empfehlen würde: Schau dir mal die Möglichkeit an, beim zuständigen Finanzamt deinen voraussichtlichen Gewinn für 2026 möglichst realistisch (und nicht zu hoch) anzusetzen, und geh damit zur Krankenkasse. Manche GKVen akzeptieren auf Antrag einen niedrigeren Beitrag wenn du nachweist dass dein tatsächliches Einkommen unter der Mindestgrenze liegt – das ist aber kassenabhängig und nicht überall gleich einfach durchzusetzen.
Zur PKV: Ich würde da sehr vorsichtig sein, gerade wenn du noch jung bist und planst irgendwann vielleicht wieder angestellt zu arbeiten oder Familie zu gründen. Der Rückweg in die GKV ist steinig. Lass dich auf jeden Fall von einem unabhängigen Versicherungsberater (nicht Makler!) beraten, die nehmen Stundenhonorar aber sind neutraler.
Ich bin zwar eigentlich eher im IT-Bereich unterwegs, aber das Thema Selbstständigkeit und KV hab ich in meinem Umfeld schon öfter mitbekommen.
Ein konkreter Hinweis den ich beisteuern kann: Es gibt tatsächlich einen sogenannten Gründerzuschuss-Zeitraum in dem manche GKVen kulanter sind mit dem Beitrag, aber das hängt daran ob du vorher arbeitslos gemeldet warst oder direkt aus dem Anstellungsverhältnis in die Selbstständigkeit gewechselt bist. In letzterem Fall bist du sofort voll beitragspflichtig, da gibt es wenig Spielraum in der GKV.
Was R.Hoffmeister – ähm, ich mein was FernwehProfi55 oben zur PKV sagt stimmt grundsätzlich. Ich würd aber ergänzen: Der Basistarif der PKV ist gesetzlich gedeckelt (aktuell irgendwo um die 900€, also kaum günstiger als dein GKV-Beitrag) und die Leistungen sind wirklich minimal. Das ist keine echte Alternative sondern eher ein Notanker.
Schau mal ob deine aktuelle GKV eine freiwillige Mitgliedschaft mit Einkommensnachweis anbietet. Mit einem aktuellen BWA oder Kontoauszug lässt sich manchmal was machen.