Hallo zusammen,
ich stehe gerade vor einer Entscheidung, bei der ich wirklich nicht weiterkomme. Nach über 6 Jahren bei meinem aktuellen Arbeitgeber wechsle ich im August den Job – und jetzt stellt sich die Frage, was mit meiner betrieblichen Altersvorsorge passiert. Ich habe eine Direktversicherung, in die monatlich eingezahlt wurde, teils vom Arbeitgeber, teils per Entgeltumwandlung. Angespart sind bisher ca. 14.000 Euro.
Mein neuer Arbeitgeber bietet anscheinend auch eine BAV an, allerdings über einen anderen Anbieter und anderen Vertrag. Nun hab ich verschiedene Optionen gehört:
1. Den alten Vertrag auf den neuen Arbeitgeber übertragen (Portabilität)
2. Den Vertrag beitragsfrei stellen und später selbst weiterführen
3. Mich auszahlen lassen (wobei ich gehört habe, dass das steuerlich richtig teuer wird)
Option 3 klingt nach einem schlechten Deal, aber ich bin mir nicht sicher. Hat jemand das schon mal gemacht und kann aus Erfahrung berichten? Was sind die Fallstricke beim Übertragen auf einen neuen Anbieter? Und lohnt sich das beitragsfrei stellen, wenn der Vertrag vielleicht noch 25-30 Jahre läuft?
Für den Rat eines Finanzberaters fehlt mir gerade ehrlich gesagt die Zeit – Umzug, neuer Job, und irgendwie auch noch Urlaub planen. Über Erfahrungswerte von euch wäre ich echt dankbar!
Option 3 (Auszahlung) würde ich auf jeden Fall ausschließen. Die nachgelagerte Besteuerung plus Sozialabgaben im Rentenalter sind eine Sache, aber wenn du das jetzt auszahlen lässt, zahlst du sofort voll Steuer und Sozialabgaben auf den Betrag – das kann locker 40-50% des angesparten Kapitals wegfressen. Das lohnt sich fast nie.
Zur Portabilität: Rechtlich hast du nach §4 BetrAVG einen Anspruch darauf, den Vertragswert zum neuen Arbeitgeber mitzunehmen, ABER der neue Arbeitgeber muss das nicht beim gleichen Anbieter fortführen. Wenn er einen eigenen Rahmenvertrag hat, wird der Wert oft nur als Einmalbetrag in den neuen Vertrag eingebracht – und da lauern Kosten. Unbedingt nachfragen, ob Abschlusskosten nochmal neu anfallen!
Beitragsfrei stellen ist oft die ruhigere Lösung wenn du erstmal Luft brauchst. Der Nachteil: Ohne laufende Beiträge wächst da nicht mehr viel, je nach Vertrag fressen Kosten die Rendite auf.
Mein Tipp: Ruf einfach beim alten Anbieter an und frag nach einer Kostenaufstellung für alle drei Optionen. Die müssen das rausrücken.
Kurz und knapp weil ich das im ETF-Thread schon ähnlich hatte: Schau dir unbedingt den Garantiezins deines alten Vertrages an. Alte Direktversicherungen aus der Zeit vor 2010-2012 haben teils noch 2,25% oder sogar 3,25% Garantiezins – sowas kriegst du heute nirgends mehr. Dann auf keinen Fall kündigen oder übertragen, sondern beitragsfrei stellen und laufen lassen.
Da muss ich Lena ein bisschen widersprechen bzw. ergänzen. Die Portabilitätsregel klingt schöner als sie ist. In der Praxis hab ich das bei Bekannten erlebt – der neue Arbeitgeber hat zwar mitgespielt, aber der Versicherer hat beim Übertrag Verwaltungsgebühren berechnet die man vorher nicht auf dem Schirm hatte. Und wenn der neue Vertrag höhere laufende Kosten hat als der alte, kann sich das über 25-30 Jahre wirklich summieren.
Ich würde in deiner Situation folgendes machen: Erst mal den neuen Arbeitgeber fragen, wie genau deren BAV-Modell aufgestellt ist. Welcher Anbieter, welche Kostenstruktur, gibt es einen Arbeitgeberzuschuss (seit 2022 ja eigentlich Pflicht bei Entgeltumwandlung). Wenn der neue Vertrag deutlich besser ist, macht Übertrag Sinn. Wenn nicht, lieber den alten beitragsfrei stellen und beim neuen Arbeitgeber frisch einzahlen.
Und ja – Auszahlung wäre wirklich der schlechteste Weg, da sind wir uns einig.