Hallo zusammen,
ich mache jetzt seit etwa 2 Jahren mein Ding als Selbstständiger (Grafikdesign, hauptsächlich kleinere Agenturen und Direktkunden) und stehe mal wieder vor der Steuererklärung. Letztes Jahr hab ich das zum ersten Mal selbst gemacht mit einem Online-Tool, und im Nachhinein bin ich mir nicht sicher ob das so clever war.
Ich hab damals z.B. die Homeoffice-Pauschale geltend gemacht, aber ich weiß nicht ob ich das richtig aufgeteilt hab. Außerdem hab ich einige Software-Abonnements nicht als Betriebsausgaben eingetragen weil ich unsicher war ob das alles so durchgeht. Und dann ist da noch das Thema mit dem Auto – ich nutze meins teils privat, teils für Kundenbesuche, hab aber keine Ahnung ob ich die Fahrtkosten korrekt aufgeteilt habe.
Jetzt im Juli denk ich mir: diesmal mach ich das früher und besser. Was sind so die klassischen Fehler die ihr als Selbstständige gemacht habt oder die ihr kennt? Gibt es Dinge die das Finanzamt besonders genau prüft? Und lohnt sich ein Steuerberater für so kleine Umsätze (ich mach so ca. 40-50k im Jahr) wirklich oder kann man das gut selbst hinbekommen wenn man sorgfältig ist?
Freue mich über ehrliche Erfahrungen, nicht nur Theorie!
Grüße
Tobias
Ich bin kein Steuerexperte, aber ich hab auch schon Freunde mit ähnlichen Problemen gehabt. Der Tipp mit den Rücklagen von Petra ist wirklich gut – so wie ich das beim Thema Crash 2026 dort diskutiert hab, gilt auch hier: Liquidität ist alles. Wer keine Rücklagen hat sitzt schnell in der Klemme.
Ansonsten: bei sowas immer einen Fachmann fragen. Das is meine Meinung. Lieber einmal 300-400 Euro für einen Steuerberater ausgeben als später Nachzahlungen plus Zinsen.
Hey Tobias,
klassischer Fehler Nummer 1 ist genau das was du beschreibst: zu vorsichtig sein bei den Betriebsausgaben. Viele Selbstständige lassen bares Geld liegen weil sie im Zweifel lieber nichts eintragen. Dabei gilt: wenn du etwas beruflich nutzt, kannst du es grundsätzlich geltend machen – bei gemischter Nutzung anteilig.
Beim Auto ist das Fahrtenbuch die sauberste Lösung. Keine Ahnung ob du das führst, aber ohne Nachweis akzeptiert das Finanzamt oft nur die 0,03%-Regelung bei der 1%-Methode, was bei überwiegend privater Nutzung teurer werden kann. Klingt kompliziert, ist es aber nicht wenn man es von Anfang an sauber macht.
Zu deiner Frage ob sich ein Steuerberater lohnt: Bei 40-50k Umsatz würde ich sagen ja, zumindest einmal zur Orientierung. Die Kosten sind übrigens selbst wieder absetzbar. Ich hab bei der Wohnungssuche letztens auch gemerkt wie viel man spart wenn man die richtigen Leute fragt – manchmal ist professionelle Hilfe günstiger als man denkt.
Hallo Tobias,
ich hab mich mit dem Thema Steuerberater ja auch schon länger beschäftigt, hab sogar mal einen Thread dazu gestartet: Steuerberater: Welche Fragen darf man kostenlos stellen? – vielleicht hilft dir das weiter.
Kurz zu deinen konkreten Punkten: beim Auto würde ich wirklich ein Fahrtenbuch empfehlen oder die 1%-Regel konsequent durchrechnen. Beides hat Vor- und Nachteile je nach dem wie viel du wirklich beruflich fährst. Ohne saubere Aufzeichnung wird das Finanzamt im Zweifel auf die ungünstigere Variante bestehen.
Die Software-Abonnements kannst du in aller Regel voll absetzen wenn sie betrieblich genutzt werden. Adobe, Figma, whatever – das sind klare Betriebsausgaben. Nur bei gemischter Nutzung (z.B. du nutzt ein Abo auch privat) wird es kniffliger, da musst du schätzen und das sollte realistisch sein.
Für 40-50k würde ich persönlich einen Steuerberater zumindest einmalig nehmen um eine saubere Grundlage zu haben. Danach kannst du immer noch selbst machen.
Also ich muss hier mal eine andere Meinung einwerfen: online-Tools für die Steuererklärung sind bei Selbstständigen wirklich mit Vorsicht zu genießen. Die sind halt hauptsächlich für Angestellte optimiert und die Betriebsausgaben-Sektion ist oft sehr vereinfacht dargestellt. Ich hab das selbst ein paar Jahre so gemacht und festgestellt dass mir einiges entgangen ist.
Ein Punkt den noch niemand erwähnt hat: Umsatzsteuer! Bist du überhaupt umsatzsteuerpflichtig oder nutzt du die Kleinunternehmerregelung? Bei 40-50k Umsatz bist du wenn ich das richtig im Kopf hab über der Grenze – das ist ein komplettes eigenes Thema mit Voranmeldungen, Vorsteuerabzug usw. Wenn du das durcheinander bringst kann das richtig teuer werden.
Auch wichtig: Rücklagen für Steuernachzahlungen. Viele unterschätzen was am Ende des Jahres kommt und sind dann überrascht. 25-30% vom Gewinn zur Seite legen ist keine schlechte Faustregel.