Hey zusammen,
ich beschäftige mich seit einem Weilchen mit dem Thema Altersvorsorge und hab jetzt endlich angefangen, das auch wirklich umzusetzen. Bin 30, arbeite in Vollzeit, lebe alleine und kann monatlich so 300-400 Euro in einen Sparplan stecken. Gesetzliche Rente wird ja in 35+ Jahren wohl nicht die Welt sein, also will ich das selbst in die Hand nehmen.
Aktuell hab ich einen MSCI World Sparplan laufen, überlege aber ob ich die Strategie noch ergänzen soll. Überall liest man was anderes: manche sagen 'Ein ETF reicht völlig', andere schwören auf World + EM-Kombi, wieder andere packen noch Small Caps rein. Ich verlier da ehrlich gesagt ein bisschen den Überblick.
Meine Fragen:
- Macht eine 70/30-Aufteilung (World + Emerging Markets) bei 300-400 Euro Sparrate überhaupt Sinn, oder ist das zu kleinteilig?
- Sollte ich lieber auf einen FTSE All-World oder MSCI ACWI umsteigen statt zwei ETFs zu besparen?
- Wie oft solltet ihr euer Depot rebalanciert – jährlich, oder gar nicht bei Sparplan?
Ich fang jetzt im Sommer an das Ganze ordentlich aufzusetzen, während ich sonst eh etwas ruhiger bin und Zeit zum Nachdenken habe. Würde mich über Erfahrungen aus der Praxis sehr freuen, nicht nur Theorie!
Danke schonmal
Ich seh das etwas anders als ThomasK72 oben.
Die Vereinfachungs-Empfehlung klingt gut, aber man sollte schon wissen was man tut. Ein FTSE All-World hat zwar EM drin, aber mit ca. 10-12% Gewichtung – wer bewusst stärker auf Schwellenländer setzen will, fährt mit der 70/30-Aufteilung tatsächlich anders. Das ist keine Frage von Komplexität, sondern von Strategie.
Allerdings: Für jemanden der gerade erst anfängt und noch keine klare Meinung zu EM hat, ist ein All-World absolut sinnvoll. Lieber einfach anfangen als noch monatelang analysieren und nichts tun. Das kenn ich aus Gesprächen im Beruf – Overanalyzing kostet oft mehr als eine 'suboptimale' Entscheidung.
Rebalancing einmal jährlich ist Standard und völlig ausreichend. Und bitte nicht bei jeder Marktkorrektur nervös werden – das ist der häufigste Fehler.
Hi Felix,
schön dass du das Thema jetzt angehst! Ich hab mich da auch erst spät reingefunden und wünschte, ich hätte früher angefangen.
Was ich aus eigener Erfahrung sagen kann: Der Einstieg mit einem einzigen breiten ETF hat mir ehrlich gesagt viel Stress gespart. Ich hab anfangs auch mit mehreren ETFs rumgebastelt und immer irgendwas umgeschichtet. Irgendwann hab ich das auf einen ACWI reduziert und schlaf seitdem besser.
Bei deiner Sparrate würde ich nicht zu viel aufsplitten. Die Transaktionskosten und der mentale Aufwand stehen bei 300-400 Euro monatlich nicht wirklich im Verhältnis zu einem marginal besseren EM-Exposure. Außerdem: Wenn du irgendwann mehr verdienst und die Rate erhöhst, kannst du immer noch einen zweiten ETF dazunehmen.
Das Wichtigste ist wirklich: anfangen und dranbleiben. Der Zinseszins macht über 30 Jahre den Großteil der Arbeit, nicht die perfekte ETF-Auswahl 😊
Ach so nebenbei, wenn du schon anfängst zu optimieren: Schau dir mal den Gaspreisvergleich an, ich hab damit letztes Jahr ein paar hundert Euro gespart – das ist quasi passives Einkommen ohne ETF-Stress. Jetzt Gastarife vergleichen
Ich sag's mal so: Mit 30 und einem Horizont bis zur Rente hast du den größten Vorteil überhaupt – Zeit. Was du genau kaufst, World, ACWI oder 70/30, spielt auf 35 Jahre gesehen eine kleinere Rolle als dass du überhaupt kontinuierlich investierst und nicht bei der nächsten Delle panisch verkaufst. Das ist meine Beobachtung aus vielen Jahren.
Hallo Felix,
gute Frage, die ich mir vor ein paar Jahren selbst gestellt hab. Ich bin zwar kein Finanzprofi, aber hab mich da intensiv eingelesen.
Kurz gesagt: Bei 300-400 Euro monatlich würde ich nicht unnötig aufteilen. Ein FTSE All-World (z.B. Vanguard) oder MSCI ACWI deckt EM schon mit ab – du hast dann keine Rebalancing-Probleme und sparst dir die Gedanken über die 70/30-Gewichtung. Das klingt vielleicht langweilig, aber genau das ist bei langfristiger Altersvorsorge oft das Beste.
Die 70/30-Lösung macht es etwas komplizierter ohne dass der Mehrwert über 30 Jahre wirklich messbar ist. Ich kenn das aus eigener Erfahrung – je mehr ETFs, desto mehr Anlass zum 'rumdoktern' am Depot, was meistens nichts bringt.
Rebalancing: Bei einem Sparplan einfach die Sparrate anpassen wenn eine Position zu groß wird. Einmal im Jahr draufschauen reicht völlig.