Hallo zusammen,
ich beschäftige mich schon länger mit dem Thema KI und Machine Learning, aber bei allem was ich lese stoße ich immer wieder auf Python-Code, Jupyter Notebooks und Begriffe wie "Training loops" und "Hyperparameter". Ich bin kein Informatiker und hab das auch nie gelernt - trotzdem würde ich gerne verstehen ob es realistische Wege gibt, ML-Modelle zu nutzen oder sogar eigene zu erstellen, ohne Programmierer zu sein.
Konkret interessiert mich zum Beispiel: Kann ich irgendwie eigene Daten nehmen (z.B. Haushaltsdaten, Stromverbrauch über den Sommer, sowas in der Art) und daraus ein Modell bauen, das mir Vorhersagen macht? Oder ist das zwingend was für Leute mit Coding-Background?
Ich hab mir schon ein paar No-Code/Low-Code Plattformen angeschaut (AutoML bei Google, sowas wie Obviously.ai), aber ich weiß nicht ob das überhaupt seriös nutzbar ist oder ob man da am Ende doch nur an der Oberfläche kratzt. Und was kann so ein selbst erstelltes Modell wirklich leisten im Vergleich zu dem was Profis machen?
Wäre super wenn jemand aus eigener Erfahrung berichten kann - nicht nur Theorie. Danke schon mal!
Ich muss ehrlich sagen, ich bin da eher skeptisch. Nicht weil ich dir das nicht gönne, aber ich frage mich ob man wirklich verstehen kann was man tut wenn man das Handwerk nicht kennt. Das ist ein bisschen so als würde man ein kompliziertes Gerät bedienen ohne zu wissen wie es funktioniert - solange alles glatt geht ist es prima, aber wenn mal was schiefläuft steht man ratlos da.
Bei uns in der Familie ist das immer so gewesen: Wer ein Werkzeug wirklich nutzen will, sollte die Grundlagen kennen. Vielleicht wäre ein kleiner Einstieg in Python-Basics gar keine schlechte Idee als Sommerprojekt? Es gibt mittlerweile sehr gute Kurse auf Deutsch, auch für Ältere oder Leute die nie programmiert haben. Dauert vielleicht ein paar Wochen, aber dann hat man wirklich eine Grundlage.
Ich finde die Frage wirklich spannend und ich hab mich damit auch beschäftigt - ich starte gerade ein Sommerprojekt das ein bisschen Datenanalyse braucht, da hab ich mich auch gefragt wie weit man ohne Coding kommt.
Was ich gelernt habe: Es gibt einen Unterschied zwischen "ML nutzen" (also fertige Modelle anwenden) und "ML bauen" (eigene Modelle trainieren). Ersteres geht heute wirklich komplett ohne Code - ChatGPT, Claude und Co. machen im Hintergrund ständig ML-Vorhersagen und du brauchst nur die Chatoberfläche. Eigene Modelle trainieren ist schon anspruchsvoller, aber wie Thomas oben schreibt sind Tools wie Orange oder auch KNIME durchaus zugänglich.
Mein Tipp: Fang mit einer sehr konkreten Frage an. Nicht 'Ich will ML lernen' sondern 'Ich will wissen ob mein Stromverbrauch nächste Woche höher wird als diese Woche'. Dann such dir das einfachste Tool das diese Frage beantwortet. Das hält die Motivation hoch und man lernt dabei mehr als durch abstraktes Durcharbeiten von Tutorials.
Hab das selbst mal ausprobiert, für ein kleines Projekt. Orange Data Mining würde ich empfehlen - völlig kostenlos, komplett visuell, man zieht Bausteine zusammen wie bei nem Flowchart. Keine einzige Zeile Code.
Für Einsteiger meiner Meinung nach besser geeignet als die großen Cloud-Plattformen, weil alles lokal läuft und man tatsächlich sieht was passiert. Die Lernkurve ist aber auch da vorhanden - man muss zumindest verstehen was Trainingsdaten vs. Testdaten sind und sowas. Geht aber.
Ich bin jetzt nicht mehr im Berufsleben und programmiert habe ich nie, aber ich lese hier interessiert mit. Was mich an solchen Diskussionen immer beschäftigt: Wofür braucht man das wirklich im Alltag?
Ich meine das nicht abwertend - ich finde es ja bemerkenswert was die Technik heute kann. Aber wenn ich an meinen Stromverbrauch denke, dann schaue ich einfach auf die Abrechnung und passe mein Verhalten an. Da brauche ich kein Modell das mir das voraussagt. Vielleicht bin ich da zu altmodisch.
Für Leute die sowas beruflich oder für größere Projekte brauchen verstehe ich die Frage natürlich. Aber als reines Hobbyprojekt... ich weiß nicht, ob sich der Aufwand lohnt auch mit No-Code Tools. Was will man am Ende mit der Vorhersage anfangen?